PVC - Weichmacher
© stu 2004/09/24
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Brüchige Barbies

Plastik ist keineswegs so unverwüstlich wie angenommen. Besonders betroffen vom Verfall sind ausgerechnet frühe Schönheitsidole: 
Barbie-Puppen aus den fünfziger und sechziger Jahren. Bei den begehrten Sammlerstücken aus PVC beginnt nach rund zehn Jahren ein fataler Zersetzungsprozess, hat Yvonne Shashoua, Konservatorin am Dänischen Nationalmuseum in Kopenhagen, herausgefunden. 
Grund dafür ist die Chemikalie Dibutylphthalat, die der Hersteller dem brüchigen PVC zufügte, um es geschmeidiger zu machen. 
Die giftige Substanz bildet nach einiger Zeit auf der Plastikhaut tränenförmige Absonderungen. Zudem entsteht bei der Zersetzung ein ätzendes Gas, das mit den Kupferohrringen der Puppe reagiert und ihre Wangen mit grünen Flecken verunziert. Die Krönung des Horrorszenarios: Mit zunehmender Verwitterung nimmt der Kunststoffkörper der Miniatur-Blondinen zunächst eine gelbe, später eine braune und im Endstadium sogar eine schwarze Farbe an. 
Derzeit arbeitet Shashoua an einer speziellen Beschichtung, die in die Jahre gekommenen PVC-Puppen die Schönheit bewahren soll. Hilft das nicht, kann man die vergänglichen Barbies nur noch auf Eis legen: Bei minus 20 Grad wird der Verfallsprozess immerhin verlangsamt. 

Der Spiegel Nr 36/2000

Dibutylphthalat ist ein Ester aus 
Benzen-1,2-disäure ("Phthalsäure") 
und n-Butanol: 

Phthalate werden als Weichmacher 
in Kunststoffen eingesetzt und 
sind im Tierversuch cancerogen. 

PVC ist ein umstrittener Kunststoff, 
da er Chlor enthält: 

(siehe auch: PVC - 4. Klasse)


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