CKW - Chlorierte Kohlenwasserstoffe
©stu2006/05/20 (last update)
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Chlorierte Kohlenwasserstoffe haben dem Ruf der Chemie in den letzten Jahren etwas geschadet. Viele dieser Stoffe wurden lange Zeit ziemlich unkritisch eingesetzt, da man nur ihren Nutzen sah - mittlerweile kennt man auch ihre Nachteile und geht mit Ihnen zum Teil schon vorsichtiger um.

Der Spiegel vom 16. 8. 1999 berichtete:

Eisbären haben grosse Mengen von Chlorverbindungen im Fettgewebe, Eskimobabies trinken Muttermilch, deren Gehalt an giftigen Chlorverbindungen viel zu hoch ist. 

Die giftigen Chlorverbindungen verdunsten in den wärmeren Gegenden der Welt und kondensieren in der kalten Arktis.


Chlorierte KWSt. wurden/werden verwendet : zur Herstellung von Kunststoffen (PVC) 
als Lösungsmittel ("Chemische Putzerei") 
als Treibgas (Spraydosen) 
als Kühlmittel (Klimaanlagen, Kühlschränke 
als Insektizid (DDT, Lindan) 
als Fungizid (Pentachlorphenol) 
als Betäubungsmittel (Chloroform) 
in Feuerlöschern (vor allem FCKW) 
etc.

Teilweise ist die Verwendung in zivilisierten Ländern verboten oder eingeschränkt. Da es aber "Altlasten" gibt und die Herstellung bzw. Anwendung nicht in allen Ländern geregelt ist, gibt es immer wieder größere oder kleinere Skandale um CKW (chlorierte Kohlenwasserstoffe). 

Ein weiteres Problem stellen CKW in den Abgasen von Müllverbrennungsanlagen dar, obwohl sich dieses Problem durch eine entsprechende Rauchgasreinigung ohne weiteres lösen lässt.


Probleme mit CKW: einige sind giftig 
einige sind krebserregend 
einige sind erbgutverändernd 
einige fördern den Treibhauseffekt 
einige schädigen die Ozonschicht

Dichlormethan
"Methylenchlorid"
Trichlormethan
"Chloroform"
Tetrachlormethan
"Tetrachlorkohlenstoff"
Chlorethan
"Ethylchlorid"
CH2Cl2 CHCl3 CCl4 C2H5Cl
Lösungsmittel, früher zum Entcoffeinieren von Kaffee früher zur Narkose benutzt, führt zu Leberschäden früher als Fleckputzmittel verwendet, sehr giftig wird zum "Vereisen"
verwendet

Trichlorethen
"Trichlorethylen"
Tetrachlorethen
"Perchlorethylen"
Chlorethen
"Vinylchlorid"
1,1,1-Trichlorethan
C2HCl3 C2Cl4 C2H3Cl C2H3Cl3
Lösungsmittel für Putzereien und Metallverarbeitung Lösungsmittel für Putzereien und Metallverarbeitung Ausgangsstoff für die PVC-Herstellung, krebserregend früher Lösungsmittel für Korrekturlack

Diese Stoffe sind als Lösungsmittel so gut geeignet, da sie schnell verdampfen und nicht brennbar sind, allerdings sind sie betäubend, giftig und umweltschädlich. Als Alternative bieten sich Kohlenwasserstoffe ohne Chlor ("Putzbenzin", "Wundbenzin", etc.) an. Diese sind allerdings leicht entzündlich und daher gefährlich. 
In modernen Putzereien wird das Lösungsmittel nach dem Reinigungsvorgang destilliert und wieder verwendet. 

Als Treibgase und Kühlmittel wurden vor allem Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe ("FCKW") eingesetzt. Diese sind in zivilisierten Ländern mittlerweile verboten und werden durch Propan und Butan ersetzt. Allerdings gefährdet man nun mit einer Spraydose nicht mehr die Atmosphäre, sondern bei unsachgemässen Umgang sich selbst. Propan und Butan bilden explosive Gemische mit Luft. 


"Gefährliche Gas-Luft-Gemische"

Kohlendioxid als Ersatz von CKW:
Flüssiges Kohlendioxid (gibt es nur unter besonderen Druck- und Temperaturbedingungen) wird schon seit langer Zeit bei der Herstellung von coffeinfreiem Kaffee verwendet, um das Coffein aus dem Kaffee zu lösen. Neuerdings hat die Firma Linde eine Methode entwickelt mit der die umweltschädlichen chlorierten Kohlenwasserstoffe bei der Kleiderreinigung durch flüssiges Kohlendioxid ersetzt werden können.

Rhein-Main.Net
fz-jülich (pdf)

[1,1,1-Trichlor-2,2-bis(4-chlorphenyl)ethan]
"DDT"
1,2,3,4,5,6-Hexachlorcyclohexan
"Lindan"
Pentachlorphenol
"PCP"
Insektizid (Gift gegen Insekten), giftig für Menschen, wird zur Bekämpfung der Malaria-Erreger eingesetzt. Insektizid, Holzschutzmittel, giftig für Menschen. wurde früher zum Holzschutz verwendet
krebserregend, in Österreich und BRD verboten.

Es gibt auch Pestizide (Insektizide gegen Insekten, Herbizide gegen "Unkräuter", Fungizide gegen Pilze, etc.) also Mittel gegen tatsächliche oder vermeintliche Schädlinge, die anders aufgebaut sind (ohne Chlor). Sie sind nicht weniger giftig. Viele dieser giftigen Stoffe sind in Österreich und in der BRD verboten oder nur eingeschränkt erlaubt. Allerdings werden diese Stoffe in anderen Ländern noch verwendet und gelangen mit ausländischen Produkten auch zu uns. 
Es wurden mittlerweile auch ungiftige Methoden der Schädlingsbekämpfung entwickelt, diese Methoden sind jedoch arbeitsintensiver und teurer (nähere Informationen dazu gibt es auf den Homepages der großen Chemiefirmen, wie BASF, Novartis, etc.)

Kurier (Wien) 4. 12. 2004


2,3,7,8-Tetrachlordibenzo[1,4]dioxin
"Dioxin"

Es gibt über hundert ähnliche Verbindungen (Dioxine), die alle giftig sind.
Sie wurden bekannt, als sie im Vietnam-Krieg als "Agent Orange" in Entlaubungsmitteln eingesetzt wurden.
In den 70er-Jahren gab es einen Chemieunfall in Italien, bei dem Dioxin austrat. Mittlerweile weiß man, dass  bei Verbrennungen von Kohlenstoff-Verbindungen in Gegenwart von Chlor Dioxine entstehen.
Bei Müllverbrennungsanlagen lässt sich Dioxin in den Abgasen mit entsprechenden Rauchgasreinigungsanlagen vermeiden.
Bei Bränden entsteht aus PVC neben HCl auch Dioxin. Cu wirkt als Katalysator.

Kurier (Wien) 3. 12. 2004


Zeitungsartikel zum Thema "Agent Orange"

CKW und die Atmosphäre

Treibhauseffekt

Der Treibhauseffekt ist an sich etwas Positives: Unsere Atmosphäre hält einen Teil der eingestrahlten Sonnenenergie zurück und dadurch kühlt die Atmosphäre in der Nacht nicht zu sehr ab. Sie wirkt wie ein Glashaus. 
Da der Mensch Stoffe wie CO2, CH4, Ozon, FCKW, CKW, etc. in die Atmosphäre bringt, ändert sich die Zusammensetzung der Atmosphäre. Die genannten Verbindungen verstärken den Treibhauseffekt und man nimmt an, dass sich durch die Erwärmung der Atmosphäre das Klima auf der Erde ändern könnte. 
Änderungen im Klima könnten einen Anstieg des Meeresspiegels zur Folge haben und zum Abschmelzen der Gletscher und Polkappen führen. Auch eine Änderung der Meeresströmungen ist denkbar, dies könnte auch auf uns weitreichende Auswirkungen haben. 
Es gibt in diesem Zusammenhang viele einander widersprechende Theorien. Wenn sich allerdings einmal herausgestellt hat, welche Theorie richtig ist, lässt sich nichts mehr rückgängig machen. 



Es gibt immer wieder internationale Konferenzen um die Emissionen von Treibhausgasen zu verringern, allerdings kam es bisher aufgrund wirtschaftlicher Interessen  kaum zu Fortschritten. 

Die Verwendung von CKW wurde allerdings in einem Teil Europas und in den USA stark eingeschränkt.


Ozon (Uni Bielefeld)

Das "Ozonloch"

Neben N2O (Lachgas) aus der Landwirtschaft und den Abgasen von Düsenflugzeugen schädigen vor allem CKW die Ozonschicht. 
In Höhen von ca. 30 km bildet sich unter dem Einfluss der UV-Strahlung aus O2 das Ozon (O3). Ozon schützt uns vor der gefährlichen UV-Strahlung der Sonne. Ozon ist nicht stabil und zerfällt wieder, aber es bildet sich auch wieder nach. 
CKW sind sehr langlebige Moleküle und steigen im Laufe von zehn und mehr Jahren in der Atmosphäre bis in die Ozonschicht auf. Dort zerfallen die CKW und reagieren mit Ozon. Ein Chlor-Atom kann bis zu 2000 O3-Moleküle zerstören. 
Ozon bildet sich zwar immer wieder nach, aber die Ozon-Konzentration wird geringer. 


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